Hansi Heldenschwein und die Dinoinsel

Vorlesegeschichte Nr. 14

Nora und Bo haben es sich auf Hansis kunterbunten Ausruh-Schlummermatte gemütlich gemacht. Zwischen ihnen sitzt Hansi und erzählt von einem Abenteuer, das er gestern Abend erlebt hat. Die Kinder und Erzieher waren bereits zuhause, als im Seerosen-Kindergarten etwas Merkwürdiges passierte. „Ich lag auf meiner Ausruh-Schlummermatte und machte ein Nickerchen. Da war auf einmal ein lauter Knall zu hören. Während ich meine Ohren spitzte und durch den Raum des Kindergartens schaute, passierte es. Meine kunterbunte Ausruh-Schlummermatte ruckelte und ruckelte und auf einmal schwebte sie in der Luft.

 

Ich konnte meinen Augen nicht trauen, doch es geschah wirklich. Noch bevor ich hinunterspringen konnte, flog sie quer durch den Raum. „Hansi, warte auf mich!“, rief wie aus dem Nichts Marvin Mäuserich und sprang auf meine Decke. „Du willst doch nicht ohne mich verreisen, oder?“, fragte mich die kleine Maus.

 

Zusammen mit Marvin Mäuserich flog ich hinaus aus dem Seerosen-Kindergarten. Wir flogen über den Stadtwald hinweg, über Berge, über eine Wüste und über das Meer. Wir winkten einigen Kühen, einem Ziegenpaar, grüßten einen Tiger und eine Delfinfamilie. Und schwupps, da landeten wir auf dem Ast eines Baumes, der auf einer kleinen Insel steht. „Wo sind wir?“, flüsterte mir Marvin Mäuserich zu. Da sah ich ein Schild am Baum gegenüber hängen, auf dem stand: „Willkommen auf der Dinoinsel.“ Auf dem Boden war ein zweites Schild und auf dem stand: „Ziehen Sie bitte Ihre Dinodos an“.

 

„Dinodos?“, fragte ich Marvin Mäuserich. Er zuckte mit den Schultern. „Hier sind eure Dinodos!“, rief plötzlich ein Mädchen mit zotteligen Haaren, das kopfüber am Ast eines Baumes hing. In ihrer Hand hielt sie einen Korb mit blauen Puschen. Während Marvin und ich nicht wussten, was wir sagen sollten, verdrehte das Mädchen die Augen und zog uns die Puschen an. In dem Moment wo ich die Dinodos an hatte, sah ich einen riesengroßen Dinosaurier. Der Dino war größer als die Bäume um uns herum und spazierte vor uns den Weg entlang.

„Los, kommt mit!“, brüllte das kleine braunhaarige Mädchen mit einem gelben Kleid und blauen Dinodos, als sie auf den Rücken des Dinos sprang. Die kunterbunte Ausruh-Schlummermatte gab uns einen Schubs und hops saßen wir ebenfalls auf dem Rücken des Dinos. Der Dino spazierte weiter auf dem Weg und störte sich nicht daran, dass wir auf ihm saßen.

 

Auf dieser Insel war alles so magisch. Die Bäume hatten blaue Blätter mit violetten Streifen und an den Büschen hingen pinke Bananen. „Ich heiße Annelise“, stellte sich auf einmal das kleine zottelige Mädchen vor. „Diese Insel ist eine ganz besondere und geheime Insel. Nur wenn du die Dinodos an deinen Füßen trägst, kannst du die Dinos sehen. Ich wohne hier auf der Insel mit meinen vier Brüdern Kalle, Karl, Keno und Kurt. Meine Brüder sind bei Dete. Dete braucht deine Hilfe Hansi. Deswegen habe ich deine kunterbunte Ausruh-Schlummermatte gerufen. Sie sollte dich herfliegen. Du hilfst doch immer Jedem, der Hilfe braucht, stimmts?“ „Stimmt“, sagte ich.

 

Bevor ich weitere Fragen stellen konnte, blieb der Dino an einer großen Lichtung stehen und ich bekam kein Wort mehr heraus. Marvin Mäuserich ist vor Staunen sogar umgekippt und beinahe den Rücken des Dinos hinunter gekullert.

 

Wir standen am Rand einer riesigen Wiese und einem wunderschönen See. Auf dieser Wiese sprangen unzählige Dinos umher – blaue, gelbe, rote, gepunktete und gestreifte Dinos. Sogar im See schwammen welche und über uns kreisten welche am Himmel. Da hörte ich ein Schluchzen im Schatten eines Baumes. Ein kleiner gelber Dino stand dort im Gras und weinte. Neben ihm standen vier Jungs und versuchten ihn zu beruhigen. Die Jungs mussten Annelises Brüder sein.

 

Annelise rutschte vom Rücken des Dinos und lief zu dem weinenden Dino. Marvin Mäuserich und ich machten es ihr nach. „Lasst mich allein. Geht weg!“, brüllte der Dino und drehte Annelise, Marvin und mir den Rücken zu.

 

„Aber das ist Hansi Heldenschwein, Dete“, flüsterte ihm das kleine zottelige Mädchen zu. Da drehte sich Dino Dete vorsichtig um und hörte auf zu schluchzen. Dann sprudelte es aus ihm heraus: „Du bist das Heldenschwein? Du löst immer alle Probleme? Dann kannst du mir ja jetzt helfen. Gut, dass du da bist. Mach bitte meine Leuchte-Schuppen weg. Ich möchte ein normaler Dino sein. So wie alle anderen im Kindergarten.“ Zunächst wusste ich nicht, was Dete meinte. Er sah aus wie ein ganz normaler Dino. Ich schaute mir die Dinos der Lichtung an. Sie alle hatten verschiedene Farben und Formen. Doch Dete kam mir nicht anders vor. „Zeig es Hansi“, schlug Annelise vor. Dete zögerte, aber führte uns dann zum See. Jedoch bat er uns ganz leise zu sein und suchte eine Stelle des Sees aus, an der uns kein anderer Dino sehen konnte.

 

Anscheinend versteckte er sich vor den anderen Dinos. Dino Dete nahm tief Luft und stieg ins Wasser. Als nur noch Detes Kopf aus dem Wasser ragte, begannen seine gelben Schuppen zu leuchten. Ein wunderschönes gelbes Licht leuchtete unter Wasser. Marvin und ich konnten nicht aufhören Dete anzustarren. Auch als Dete wieder aus dem Wasser kam, sagten wir nichts. „Seht ihr!“, rief Dete traurig. „Sogar ihr starrt mich bloß an. Gleich macht ihr euch bestimmt lustig wie die Dinokinder im Kindergarten. Wir haben jetzt Schwimmunterricht im Kindergarten und alle lachen über mich, wenn ich im Wasser bin und leuchte.“

 

Ich erklärte Dete, dass ich das Licht seiner Schuppen so schön fand, dass ich sprachlos war. Doch das glaubte mir Dete nicht. „Machst du das Leuchten bitte weg, Hansi? Du hilfst doch immer allen, wenn sie ein Problem haben.“ „Das Leuchten kann ich nicht wegmachen, Dete“, sagte ich ihm. „Das Leuchten kommt aus deiner Haut und ist ein Teil von dir. Du bist dadurch etwas ganz Besonderes.“ Dete stiegen wieder die Tränen in die Augen und er rannte weg. So schnell wie er fortgelaufen war, konnte ich nicht hinter ihm her. Auch Annelise und ihre vier Brüder schafften es nicht, ihn zu erwischen.

 

Wir setzten uns alle an den See und Annelise erzählte, dass Dete bereits mit dem Leuchten geboren war. Er war noch ein kleines Baby, da sahen seine Eltern es zum ersten Mal beim Baden. Schon immer war Dete dies peinlich und ging nur heimlich und allein in den See. Doch jetzt gehen sie im Kindergarten gemeinsam schwimmen. Dann sehen es alle Dinokinder und lachen.

 

Plötzlich hörten wir Hilferufe von der anderen Seite des Sees. Schnell liefen wir zu einer großen Menge an Dinos. Sie alle standen am Rande des Sees und redeten ängstlich durcheinander. „Was ist passiert?“, fragte ich einen Dino. „Meine Tochter Lilli ist ins Wasser gefallen und nun sehe ich sie nicht mehr. Sie kann noch nicht schwimmen. Ich habe versucht sie herauszuholen. Doch ich sehe sie nicht in dem Wasser. Das Wasser des Sees ist einfach zu dunkel.“ Schluchzend sprang Mama Dino in den See und tauchte nach Lilli. „Kommt schnell!“, rief ich Annelise, ihren Brüdern und Marvin zu. „Annelise, zeig mir wo Dete sein könnte.“

 

In Windeseile liefen wir zurück zu dem Baum, unter dem Dete saß, als ich ihn kennenlernte. Und da saß er wieder und weinte. „Dete, komm schnell! Wir brauchen deine Hilfe. Lilli ist in den See gefallen und keiner kann sie herausholen. Der See ist zu dunkel. Doch du kannst den See zum Leuchten bringen.“ Dete zögerte, weil er nicht wollte, dass ihn die anderen wieder auslachten. „Dete“, sagte ich ihm, „dein Leuchten wird Lilli retten!“

 

Noch einmal zögerte er, doch dann rannte er schnell hinüber zu dem See und sprang in das Wasser. Er begann zu leuchten und man sah wie er immer tiefer schwamm. Die Dinos standen am See und staunten. Als Dete eine Zeit im Wasser war, begannen wir uns große Sorgen zu machen. Detes Licht war immer kleiner geworden, so tief war er geschwommen. Ich überlegte, ob es doch nicht die beste Idee war, Dete in das Wasser zu schicken. „Dort!“, rief dann jedoch Annelise. „Das Licht wird heller!“

 

Mit einem Mal sahen wir Dete wie er aus dem Wasser stieg und Lilli mithochbrachte. Mit Hilfe seiner leuchtenden Schuppen konnte er sie im Wasser sehen und herausbringen. Alle Dinos jubelten und waren stolz auf Dete. Lilli bedankte sich bei Dete: „Ohne dich und dein helles Leuchten hätte ich es nicht aus dem Wasser geschafft.“ Von da an war Dete stolz auf seine Leuchte-Schuppen und keiner lachte ihn mehr aus.

 

Nach diesem spannenden Abenteuer ruhte ich mich am Abend auf meiner kunterbunten Ausruh-Schlummermatte auf der Lichtung am See aus. Von dort konnte ich gemütlich beobachten, wie Marvin Mäuserich auf Detes Rücken über die Lichtung ritt und Annelise mit ihren vier Brüdern Kalle, Karl, Keno und Kurt lachend hinterher lief. Erst heute Morgen flog die kunterbunte Ausruh-Schlummermatte Marvin Mäuserich und mich nach Hause in den Seerosen-Kindergarten.“

 

 

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Das Hörbuch:



Mögt ihr Dinos? Habt ihr schon mal von einem so besonderen Dino wie Dino Dete gehört? Erzählt es Hansi in einem Kommentar.

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