Hansi Heldenschwein und das Sommercamp

Vorlesegeschichte Nr. 12

Wie in jedem Jahr veranstaltet der Seerosen-Kindergarten im Sommer ein großes Fest. Bei diesem Fest übernachten alle Kindergartenkinder mit ihren Eltern und Geschwistern im Garten des Kindergartens. Jede Familie schläft in einem eigenen Zelt. Heute ist es wieder so weit und Nora und Bo haben mit ihren Familien bereits ihre Zelte aufgebaut.

 

Das Zelt von Noras Familie ist quietschgrün und steht neben der Schaukel, ganz nah an einem großen Haufen Holz. Markus hat das Holz zu einem Haufen gestapelt und gesagt, dass er es anzündet, sobald es dunkel ist. Dann haben sie ein schönes warmes Lagerfeuer. Bos Familie hat ihr Zelt genau neben das Zelt von Noras Familie aufgestellt.

 

„Die Würstchen sind fertig!“, ruft Markus laut durch den ganzen Garten. „Kommt her, die Würstchen sind fertig“. Markus hat, während die Kinder im Garten gespielt haben, den Grill angezündet und Würstchen gegrillt. Nora und Bo laufen schnell zum Grill und müssen dabei einigen Zelten ausweichen. Sie sind ganz außer Atem und haben einen riesen Hunger. Sina und die Eltern haben nämlich viele Spiele mit Nora, Bo und den anderen Kindern gespielt, nachdem die Zelte aufgebaut waren. Dabei haben sie sich ziemlich angestrengt.

 

Während sich Nora und Bo die Bäuche mit Würstchen, Nudelsalat und Brot vollschlagen, tapst Hansi Heldenschwein gemütlich durch den Garten und schaut sich die Zelte an. Manche Zelte sind groß, manche sind klein. Einige Zelte sind oben spitz, andere ganz rund. Außerdem haben die Zelte ganz unterschiedliche Farben. Manche Zelte sind rot und manche blau. Das Zelt von Bos Familie ist orange und am Auffälligsten ist das quietschgrüne Zelt von Noras Familie.

 

Hansis Bäuchlein streift bei seinem Rundgang durch das hohe Gras. Als er merkt, dass die Sonne langsam untergeht und sich der Tag zum Ende neigt, geht er rüber zu Nora und Bo, die auf einer Bank an einem Tisch sitzen. „Ich habe drei Würstchen gegessen“, sagt Bo stolz, „und gleich macht Markus das Lagerfeuer an. Und Markus hat gesagt, dass wir heute Nacht, wenn es stockduster ist, eine Nachtwanderung machen.“ Bo ist ganz aufgeregt vor Freude. Er hört gar nicht mehr auf von der Nachtwanderung zu sprechen. „Wir gehen dann sogar alle zusammen durch den Wald. Das wird so cool.“

 

Hansi merkt, dass Nora ganz still ist, während Bo erzählt. „Nora, freust du dich auch so auf die Nachtwanderung wie Bo?“ Nora schaut vor sich auf den Boden und antwortet Hansi nicht. „Ist alles in Ordnung Nora?“, fragt Hansi vorsichtig. „Nein“, antwortet sie dann leise, „ich habe große Angst im Dunkeln. Ich möchte gar nicht mehr hierbleiben, sondern nach Hause gehen.“ Nora steigen die Tränen in die Augen. „Ich will nicht im Dunkeln draußen sein Hansi.“

 

„Ich wusste gar nicht, dass du solche Angst im Dunkeln hast“, sagt Bo. „Nora hat Angst im Dunkeln! Haha! Nora hat Angst im Dunkeln, wie ein kleines Baby“, brüllt auf einmal Nico, der Nora, Bo und Hansi bei ihrem Gespräch belauscht hat. Nora kann nun die Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie springt von der Bank auf und rennt weinend zu ihrem Zelt. Markus hat mitbekommen wie Nico Nora zum Weinen gebracht hat und schimpft mit ihm. In der Zeit laufen Bo und Hansi schnell zu Noras Zelt.

 

Nora versteckt sich in ihrem Zelt und Hansi und Bo hören sie leise weinen. Hansi und Bo gehen zu Nora hinein. Hansi Heldenschwein versucht Nora vorsichtig zu beruhigen. „Nora, wenn du zuhause Angst im Dunkeln hast, was hilft dir dann?“ Nora, die sich in einem Schlafsack versteckt, nuschelt leise: „Zuhause in meinem Zimmer habe ich ein Nachtlicht. Das hilft mir, wenn ich Angst im Dunkeln habe.“

 

Hansi denkt kurz nach und sagt dann: „Dann lasst uns zusammen noch ein bisschen im Zelt bleiben und ich zeige euch etwas, das dich ablenkt Nora. Und wenn es später dunkel ist, zeige ich dir etwas, das dir helfen wird, wie dein Nachtlicht. Wenn du dann immer noch so große Angst im Dunkeln hast, bleibe ich während der Nachtwanderung mit dir hier im Zelt.“ Nora zögert, aber vertraut Hansi Heldenschwein sehr. Außerdem möchte sie nicht wieder von Nico ausgelacht werden. Also willigt sie Hansis Vorschlag ein.

 

Die drei liegen nun alle auf ihrem Bauch im Zelt und kichern laut. Nora merkt dabei gar nicht wie dunkel es bereits draußen geworden ist. Hansi Heldenschwein hat Nora und Bo nämlich wirklich etwas gezeigt, dass Nora von ihrer Angst ablenkt. Sie machen Schattenspiele. Hansi hält eine Taschenlampe und leuchtet mit ihr an eine Zeltwand. Nora und Bo formen ihre Hände, in dem Licht der Taschenlampe, zu lustigen Figuren, die dann als Schatten zu sehen sind.

 

Zusammen denken sie sich zu den Figuren ein Theaterstück aus. Erst als sie Stimmen von draußen hören, merken sie, dass es schon sehr spät geworden ist. Nora bekommt wieder Angst. Doch Hansi muntert sie sofort auf: „Vor dem Zelt leuchtet bereits das Lagerfeuer. Also ist es nicht so dunkel draußen. Außerdem sind deine Eltern und dein kleiner Bruder Florian draußen. Du musst keine Angst haben.“

 

Nora nickt, nimmt Hansi auf den Arm und geht zusammen mit Bo nach draußen. Als sie ihre Eltern sieht, setzt sie sich ganz schnell zu ihnen. Bo setzt sich daneben. Nora bemerkt, dass Hansi recht hat. Das Lagerfeuer brennt und leuchtet dabei ganz hell. „Jetzt habe ich keine Angst. Aber später auf der Nachtwanderung wird es kein Licht geben“, sagt sie Hansi ängstlich ins Ohr. „Schau mal nach oben Nora.“ Nora lehnt an einem Baumstamm, auf dem ihre Eltern und Florian am Feuer sitzen. Sie hebt den Kopf nach oben, so wie Hansi es gesagt hat. Bo tut dies auch.

 

„Schau dort oben sind ganz viele Lichter. Sie leuchten die ganze Nacht und begleiten dich überall hin. Egal wohin du gehst.“ Hansi meint die vielen Sterne, die oben am Himmel sind. „Wenn dir zuhause dein Nachtlicht in der Dunkelheit hilft, können dir hier draußen die Sterne helfen.“ Nora konzentriert sich auf die vielen Sterne. Hansi hat recht, sie leuchten so schön.

 

„Der eine Stern hat mir gerade zugezwinkert!“, sagt Nora überrascht. „Er leuchtet auch am Stärksten von allen.“ „Bo und seine Familie, deine Familie und ich, wir sind alle bei dir. Du bist nicht allein. Und wenn du dann trotzdem Angst vor der Dunkelheit bekommst, dann schau hoch zu deinem Stern. Er wird für dich leuchten.“

 

„Na los alle zusammen!“, ruft Markus in diesem Moment von der anderen Seite des Lagerfeuers. „Lasst uns losgehen. Die Nachtwanderung beginnt.“ Nora reißt all ihren Mut zusammen und geht mit. Alle gehen zusammen los und folgen Markus. Er leuchtet mit einer großen Taschenlampe den Weg. Sie gehen durch den Kindergarten und dann hinaus auf die Straße. Nora hält Hansi fest auf dem Arm und geht zwischen Bo und ihren Eltern den Weg entlang Richtung Wald.

 

Immer wieder schaut sie hoch zu ihrem Stern. Er folgt ihr den ganzen Weg entlang, so wie Hansi es ihr versprochen hat. Sie gehen durch den Wald. Nora drückt Hansi nun noch stärker an sich. Markus, der vorangeht, beginnt eine Geschichte zu erzählen. Während Nora der Geschichte lauscht, Hansi auf dem Arm hat und zwischendurch zu ihrem Sternchen schaut, bemerkt sie die Dunkelheit gar nicht mehr.

 

Und eh sie sich versieht, sind sie auf einmal wieder im Kindergarten. „Du hast es geschafft“, sagt Hansi Heldenschwein ganz stolz zu Nora. „Es hat sogar spaß gemacht!“, sagt Nora kichernd. „Immer, wenn ich Angst bekam, sah ich zu meinem Stern.“ Nach dieser erfolgreichen Nachtwanderung gehen alle in ihren Zelten schlafen. Hansi übernachtet bei Noras Familie im Zelt. Nora schläft zufrieden und kaputt vom Tag in ihrem Schlafsack ein.

 

Am nächsten Morgen wacht Nora auf, als ihr Papa aufsteht, um Brötchen zu holen. Schnell schlüpft sie aus dem Zelt, um nach ihrem Stern zu schauen. Doch als sie hinauf zum Himmel schaut, sieht sie bloß die Sonne, aber nicht ihren Stern. Sie sieht keinen einzigen Stern. Hansi Heldenschwein, der mitbekommen hat, dass Nora aufgestanden ist, klettert ebenfalls aus dem Zelt.

 

„Warum schaust du so bedrückt Nora?“ „Die Sterne sind weg“, antwortet sie traurig. „Die Sterne sind nicht weg“, sagt Hansi. „Du kannst sie am Tag im Hellen nur nicht sehen. Aber sie sind immer noch da oben. Heute Abend im Dunkeln wirst du sie zuhause wieder sehen können.“ Da strahlt Nora über das ganze Gesicht. „Das ist in Ordnung. Jetzt am Tag brauche ich sie auch nicht. Erst wieder, wenn es dunkel wird.“

 

 

Hansi freut sich sehr. Jetzt hat Nora nicht nur die Angst vor der Dunkelheit überwunden, sondern freut sich sogar auf die Dunkelheit, damit sie ihren Stern wiedersehen kann. Hansi Heldenschwein genießt den restlichen Morgen, an dem alle zusammen frühstücken und freut sich auch auf heute Abend, wenn er von seiner Ausruh-Schlummermatte die Sterne sehen kann.

 

 

Download
Die Geschichte mit Bildern
12 Hansi Heldenschwein und das Sommercam
Adobe Acrobat Dokument 289.4 KB
Download
Die Geschichte ohne Bilder
12 Hansi Heldenschwein und das Sommercam
Adobe Acrobat Dokument 173.8 KB

Das Hörbuch:



Ward ihr schon einmal zelten? Oder möchtet ihr vielleicht diesen Sommer zelten gehen? Erzählt Hansi davon. Er ist schon sehr gespannt!

Kommentare: 0